Thomas Mann
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Tonio Kröger, der Sohn eines angesehenen Kaufmanns und einer leidenschaftlichen, exotischen Mutter, fühlt sich in seiner Provinzstadt wegen seiner künstlerischen Neigungen und seines sensiblen Wesens als Außenseiter. Er ringt mit seiner Identität, zerrissen zwischen seiner bürgerlichen Erziehung und seiner künstlerischen Berufung. Er findet Trost und Inspiration in seiner inneren Welt, schreibt Gedichte und spielt Geige. Seine Beziehungen sind von unerwiderter Liebe und Sehnsucht nach Verbindung geprägt. Seine tiefe Zuneigung zu seinem Schulkameraden Hans Hansen, der alles verkörpert, was Tonio nicht ist – beliebt, athletisch und konventionell erfolgreich – unterstreicht Tonios Gefühle der Unzulänglichkeit. Später erlebt er eine schmerzhafte Verliebtheit in die lebhafte Inge Holm, ein Mädchen aus gutem Hause, was seine Entfremdung von der gewöhnlichen, glücklichen Welt, nach der er sich sehnt, weiter betont. Nachdem er seine Heimatstadt verlassen hat, wird Tonio Schriftsteller und lebt ein Leben intensiver künstlerischer Verfolgung in den Bohème-Kreisen großer Städte und im Süden. Dieser Weg führt ihn jedoch zu selbstzerstörerischen Abenteuern der Sinne und einem tiefen Gefühl der Einsamkeit und Entfremdung. Er kämpft mit dem Konflikt zwischen seinem künstlerischen Genie und seiner tief verwurzelten Sehnsucht nach dem einfachen, normalen Leben eines "Bürgers" – einem Leben voller Wärme, Liebe und Zugehörigkeit. Seine Werke werden verfeinert und gefeiert, doch er bleibt geplagt von dem Gefühl, ein Außenseiter zu sein, ein "verirrter Bürger". Seine Reise führt ihn zurück in seine Heimatstadt, wo er bekannte Orte besucht und sich seiner Vergangenheit stellt. Er trifft alte Bekannte, darunter Hans Hansen, der nun verheiratet ist, und erlebt eine Wiederbelebung seiner alten Gefühle von Sehnsucht und Bedauern. Er erkennt die Unmöglichkeit, die Vergangenheit wiederzuerlangen oder die Kluft zwischen seinem künstlerischen Leben und dem "normalen" Leben, nach dem er sich sehnt, wirklich zu überbrücken. Schließlich findet Tonio einen gewissen Frieden, indem er seine doppelte Natur akzeptiert, seine Liebe zum Leben und zum Gewöhnlichen anerkennt und gleichzeitig sein Schicksal als Künstler annimmt, der für immer zwischen zwei Welten gefangen ist. Seine abschließende Reflexion an seine Freundin Lisaweta deutet auf eine Versöhnung mit seiner Identität hin, indem er erkennt, dass seine "bürgerlichen" Empfindungen die Quelle seiner künstlerischen Tiefe und Empathie sind.