Robert Musil
German
Der Roman beginnt mit der Verabschiedung des jungen Törleß von seiner Mutter an einem kleinen Bahnhof. Törleß wird zu einem angesehenen Internat, dem Konvikt, gebracht. Er leidet unter starkem Heimweh, das er zunächst als Sehnsucht nach seinen Eltern interpretiert, doch es ist eine tiefere, komplexere seelische Verfassung. Dieses Gefühl verliert sich allmählich und hinterlässt eine Leere. Sein Leben im Konvikt ändert sich, als der junge Fürst H. eintritt. Törleß ist fasziniert von seiner aristokratischen Herkunft und seiner tiefen Religiosität, was ihm einen besonderen psychologischen Genuss bereitet und ihn eine neue Art von Menschenkenntnis lehrt. Diese Freundschaft endet abrupt nach einer theologischen Auseinandersetzung, in der Törleß den Fürsten mit scharfer Vernunft verspottet. Nach dem Weggang des Fürsten erlebt Törleß eine Phase der Leere und Langeweile. Seine aufkommende Geschlechtsreife führt ihn zu neuen Freundschaften mit den "übelsten" seines Jahrgangs: Beineberg, Reiting, Moté und Hofmeier. Diese sind talentiert, aber wild und ungebärdig. Törleß, von seiner eigenen Unselbständigkeit getrieben, gibt sich ihrem Einfluss hin. Seine geistige Situation wird durch das Fehlen anspruchsvoller Lektüre und die grobschlächtige Natur seiner Kameraden geprägt. Seine eigenen literarischen Versuche sind oberflächlich, und er scheint keinen festen Charakter zu entwickeln. Eine Episode um einen Diebstahl von Geld aus Spielschränken ereignet sich. Basini wird verdächtigt, aber es sind Reiting und Beineberg, die die Untersuchung führen und Basini manipulieren. Törleß ist Zeuge dieser Vorgänge, wird aber selbst in eine seltsame Rolle hineingezogen, die seine eigene Sinnlichkeit und seine Beziehung zu den anderen Jungen prägt. Beineberg und Reiting betreiben ein gefährliches Spiel der Macht und Demütigung mit Basini in einer geheimen Kammer auf dem Dachboden. Törleß setzt sich intensiv mit philosophischen und mathematischen Fragen auseinander, insbesondere mit dem Konzept des "Imaginären". Er sucht Antworten bei seinem Mathematiklehrer, dessen Erklärungen ihm jedoch unbefriedigend erscheinen. Seine innere Zerrissenheit wächst, und er versucht, seine Erfahrungen und Gedanken in Notizen festzuhalten. Die Ereignisse eskalieren, als Beineberg und Reiting Basini weiter quälen und demütigen. Törleß ist Zeuge dieser Grausamkeiten, kann aber nicht eingreifen. Seine eigenen sexuellen Gefühle und seine moralischen Zweifel werden durch diese Erlebnisse aufgewühlt. Er versucht, die Ereignisse zu verstehen, indem er sie mit seinen Eltern oder seinen eigenen Gefühlen vergleicht, aber er verliert sich in widersprüchlichen Gedanken. Die Situation spitzt sich zu, als Törleß Beineberg und Reiting bei ihrer grausamen Behandlung von Basini herausfordert. Dies führt zu Drohungen gegen Törleß selbst, woraufhin er aus Angst vor den Konsequenzen und der eigenen Hilflosigkeit aus dem Konvikt flieht. Seine Flucht wird von den Behörden untersucht, und seine Freunde versuchen, ihn zu decken, indem sie die Schuld auf Basini schieben. Törleß wird aufgegriffen und seine Geschichte vor einer Kommission erklärt, die seine Handlungen als übersteigerte Empfindsamkeit und moralische Verwirrung interpretiert. Er wird schließlich zur Erziehung nach Hause geschickt, während Basini aus dem Konvikt entlassen wird. Törleß verlässt das Konvikt mit einer neuen, wenn auch verwirrenden, Erkenntnis über sich selbst und die Welt, die ihn jedoch auf seinem weiteren Lebensweg prägen wird.