Thomas Mann
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Gustav Aschenbach, ein gefeierter Schriftsteller, fühlt sich überarbeitet und unzufrieden mit seiner Kunst. Auf einem Spaziergang in München überkommt ihn eine plötzliche, intensive Reiselust, die er lange unterdrückt hatte. Er beschließt, eine Reise anzutreten, zunächst nach Venedig, das ihm als Ziel erscheint. Die Reise per Schiff nach Venedig ist von Unannehmlichkeiten und beunruhigenden Begegnungen geprägt, darunter ein älterer Mann, der sich als junger Mann ausgibt, und die allgemeine Verwahrlosung des Schiffes. Bei seiner Ankunft in Venedig bemerkt Aschenbach einen ungewöhnlichen Geruch nach Desinfektionsmitteln und erfährt von einem Reisebüro, dass die Stadt von einer Choleraepidemie heimgesucht wird, deren Ausmaß die Behörden zu verbergen versuchen. Trotz des Wissens um die Gefahr und des schlechten Gesundheitszustandes der Stadt beschließt Aschenbach, zu bleiben. Er ist fasziniert von dem jungen polnischen Knaben Tadzio, den er im Hotel beobachtet. Tadzios Schönheit und Anmut erregen in Aschenbach eine tiefe, fast religiöse Verehrung, die bald zur Obsession wird. Sein Leben auf dem Lido wird vom Beobachten Tadzios bestimmt. Er genießt die Atmosphäre des Seebades, aber seine wahren Motivationen liegen in der Nähe zu dem Knaben. Er erkennt die Vergänglichkeit von Tadzios Jugend und Schönheit, was seine Faszination noch verstärkt. Gleichzeitig wird Aschenbachs eigene Vergänglichkeit und sein gealterter Körper ihm schmerzlich bewusst. Er beginnt, sich für sein Aussehen zu schämen und unternimmt Versuche, jünger zu wirken, indem er seinen Friseur aufsucht und sich kosmetisch behandeln lässt. Er ignoriert die Warnungen und Anzeichen der Epidemie und fühlt sich zunehmend mit dem Verfall der Stadt und seiner eigenen inneren Zerrüttung verbunden. Seine Träume werden von orgiastischen und mythischen Visionen erfüllt, die seine unterdrückten Triebe widerspiegeln. Die zunehmende Gefahr der Epidemie und die sichtbaren Zeichen des Verfalls in Venedig scheinen ihn nicht abzuschrecken, sondern verstärken seine morbide Faszination. Als Tadzio und seine Familie abreisen wollen, beobachtet Aschenbach eine Szene, in der Tadzio von einem anderen Jungen grob behandelt wird. Später sieht er Tadzio allein am Meer spazieren. In einem Zustand der Ekstase und des Deliriums, kurz bevor er stirbt, bildet er sich ein, von Tadzio gerufen und gewunken zu werden. Er stirbt auf seinem Liegestuhl, ein Lächeln im Gesicht, eine letzte Verklärung seiner Obsession mit der Schönheit, die ihn letztlich verzehrt hat.