Gotthold Ephraim Lessing
German
Das Stück beginnt in Jerusalem mit Nathans Rückkehr von einer Reise. Er erfährt von seiner Haushälterin Daja, dass seine Adoptivtochter Recha bei einem Hausbrand beinahe ums Leben kam. Recha wurde von einem jungen Tempelherrn gerettet, der nun verschwunden ist. Recha glaubt jedoch, ihr Retter sei ein Engel gewesen. Nathan spricht mit Daja und Recha über Wunder und Glauben und lenkt Recha subtil von ihrer engelhaften Fantasie zu einem menschlicheren Verständnis ihres Retters. Die Szene wechselt zum Palast von Sultan Saladin, wo er und seine Schwester Sittah Schach spielen. Saladin ist finanziell angespannt, und Sittah sorgt sich um seine Sorgen. Al-Hafi, ein ehemaliger Derwisch und nun Saladins Schatzmeister, kommt mit Nachrichten über eingehende Gelder. Saladin beklagt seine finanziellen Schwierigkeiten und die Notwendigkeit, Geld zu leihen, und zieht Nathan als potenziellen Geldgeber in Betracht. Sittah schlägt vor, dass Nathan ihnen Geld und Waren leihen könnte, aber unwahrscheinlich ist, dass er sich auf Wuchergeschäfte einlässt. Unterdessen nähert sich ein Klosterbruder aus dem Patriarchat dem Tempelherrn, den er erkennt. Der Patriarch, misstrauisch gegenüber der Überlebensfähigkeit und Freiheit des Tempelherrn, die Saladin ihm gewährt hat, möchte ihn beurteilen. Der Klosterbruder enthüllt Saladins Plan, ihn zu ermorden und seine Schatzkammer zu übernehmen, einen Plan, den der Tempelherr abzulehnen weigert. Der Tempelherr trifft Nathan, der sich als Vater von Rechas Retter vorstellt. Nathan bietet dem Tempelherrn seine Hilfe und seinen Reichtum an, aber der Tempelherr, immer noch von seinen Tempelgelübden und Vorurteilen gegen Juden verzehrt, lehnt zunächst jede persönliche Verbindung ab. Doch Nathans Weisheit und sein eigener innerer Konflikt beginnen, den Tempelherrn zu beeinflussen. In Akt III ist Recha verzweifelt, aus Angst, Nathan als Vater zu verlieren. Daja offenbart ein bedeutendes Geheimnis: Recha ist nicht Nathans leibliche Tochter, sondern ein christliches Kind, das er adoptiert hat. Recha ist entsetzt über diese Enthüllung und ihre mögliche Zukunft unter Christen. Der Tempelherr, der von Daja erfahren hat, dass Recha Christin ist, konfrontiert Nathan. Nathan bestätigt, dass Recha ein christliches Kind war, das Nathan aus einem Judenmassaker gerettet und aufgezogen hat. Der Tempelherr ist schockiert über diese Enthüllung und erkennt, dass sein eigener Vater Recha gerettet hat und dass Recha auch Christin ist. In Akt IV befragt der Klosterbruder auf Befehl des Patriarchen den Tempelherrn über Rechas angebliche Bekehrung. Der Tempelherr, der sich der wahren Abstammung Rechas bewusst ist, weigert sich, mit den Plänen des Patriarchen zusammenzuarbeiten, und verurteilt die Korruption der Kirche. Saladin, der vor dem Ruin steht, erhält eine große Geldsumme. Er wird mit dem Sohn seines Bruders Assad, dem Tempelherrn, wiedervereint, den er für tot hielt. Saladin schlägt vor, dass Recha, die nun als Christin entlarvt wurde, die Vormundschaft ihrer wahren Familie erhalten sollte, und bietet sich selbst als ihr Vater an. Er möchte Recha dem Tempelherrn geben, den er als seinen Neffen erkennt. Im letzten Akt werden alle Geheimnisse enthüllt. Rechas wahrer Vater war Wolf von Filnek, ein Christ, und ihre Mutter eine Staufferin. Der Tempelherr ist Wolfs Sohn und somit Rechas Bruder. Nathan offenbart, dass ihm sein sterbender Freund Wolf von Filnek Recha zur Erziehung anvertraut hat. Der Tempelherr ist überglücklich, Recha als seine Schwester und Christin zu entdecken. Saladin erkennt den Tempelherrn als seinen Neffen, den Sohn seines geliebten Bruders Assad. Das Stück endet mit der Versöhnung aller Charaktere, die religiöse Toleranz und gemeinsame Menschlichkeit betonen.